Drei Fragen an... Janina Fels

"Als Frau ist man immer noch in einer Sonderposition"

Das Bild zeigt die Wissenschaftlerin Janina Fels von der RWTH Aachen.
Junge Kollegiatin Janina Fels: "In der Wissenschaft wird oft eine hohe Mobilität verlangt, die nur schwer mit Familie und Partner zu vereinbaren ist." (Foto: privat)

Janina Fels, Jahrgang 1977, ist seit Oktober 2012 Juniorprofessorin für Medizinische Akustik an der RWTH Aachen. Seit Dezember 2012 arbeitet sie zudem als Gastwissenschaftlerin im Institut für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich. Anfang 2014 wurde sie ins Junge Kolleg der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste aufgenommen.

Frau Prof. Fels, Sie forschen im Bereich der Akustik und der Hörgerätetechnologie. Können Sie kurz beschreiben, was den Schwerpunkt Ihrer Arbeit ausmacht?

Janina Fels: Der Schwerpunkt meiner Arbeiten ist das Erforschen der Wahrnehmung, Verarbeitung und Kommunikation in komplexen akustischen Szenen, zum Beispiel unter Lärmeinwirkung in Klassenraumsituationen, im Restaurant oder in Großraumbüros.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem vollen Restaurant an einem großen Tisch und möchten sich gerne mit Ihrem Gegenüber unterhalten. Die Unterhaltung wird aber durch die Gespräche anderer Gäste, durch Tellerklappern, Gläserklirren und Musik gestört. Auch die Raumakustik im Restaurant beeinflusst Ihr Gespräch. Als Normalhörender sind Sie dennoch meist in der Lage, aus der Vielzahl von Störquellen heraus Ihren Gesprächspartner zu verstehen und die Aufmerksamkeit nur auf ihn zu lenken. Schwerhörige oder Hörgeschädigte haben in solchen Szenen jedoch große Probleme.
Wir analysieren solche Situationen und untersuchen die Wahrnehmung und Verarbeitung mit Hilfe von künstlich erzeugten akustischen Szenen, die am Ohr der Probanden so realistisch wie möglich klingen sollen. Die dafür notwendige Wiedergabetechnik ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Forschung. Die Ergebnisse sind sowohl für die Hörgerätetechnologie als auch für kognitionspsychologische Prozesse von großer Bedeutung.

Wie haben Sie Ihren bisherigen Werdegang als Wissenschaftlerin unter Gleichstellungs-Aspekten empfunden? Hatten Sie jemals das Gefühl, ein Ziel nicht erreichen zu können, weil Sie eine Frau sind?

Janina Fels: Als Frau in den Ingenieurwissenschaften, speziell wie im meinem Fall in der Elektrotechnik, ist man heute immer noch in einer Sonderposition. Im Studium wie auch in der Promotionszeit konnte ich aber keinerlei Nachteile gegenüber den männlichen Kollegen feststellen, außer dass ich mich oft rechtfertigen musste, warum ich denn unbedingt Elektrotechnikerin werden wollte. Ich hatte allerdings auch ein gutes Umfeld und wurde von männlichen Kollegen unterstützt, meinen Weg in diese Richtung zu gehen.
Es ist allerdings heute, zumindest in meinem Fachbereich, so, dass ein Großteil der Kollegen männlich ist und viele von ihnen in traditionellen Rollenmodellen leben. Die wenigen Frauen haben es deshalb besonders schwer, Familie und Karriere zu bewältigen, da stets der Vergleich zu den männlichen Kollegen gezogen wird. Zudem wird im Wissenschaftsbereich oft eine hohe Mobilität verlangt, die nur schwer mit Familie und Partner zu vereinbaren ist. Es ist eher selten der Fall, dass ein männlicher Partner zugunsten der Karriere seiner Partnerin zurücksteckt. Umgekehrt scheint dies häufiger der Fall zu sein.

Warum sind Frauen in der Wissenschaft einfach unverzichtbar?

Janina Fels: Frauen sind nicht weniger qualifiziert für wissenschaftliche Karrieren oder andere Leitungsfunktionen als Männer. Die Gesellschaft würde bei einer ausgeglichenen Besetzung derartiger Stellen aus einem weitaus größeren und vielfältigeren Potenzial an Ideen und Lösungsstrategien schöpfen können.