Drei Fragen an... Svenja Schulze

"Die NRW-Hochschulen sind schon ein gutes Stück vorangekommen"

Das Bild zeigt NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.
NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. Foto: Dietmar Wadewitz

Svenja Schulze ist seit 2004 Mitglied des Landtags NRW und seit 2010 Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Frau Ministerin, wie hat sich Zahl der Frauen in Hochschule und Wissenschaft in den letzten Jahren verändert?

Svenja Schulze: Die Beteiligung von Frauen im Hochschul- und Wissenschaftssystem hat auf allen Qualifikationsstufen zugenommen. So hat sich beispielsweise der Frauenanteil an den Professuren seit 2001 um fast 9 Prozentpunkte auf 20 Prozent erhöht und damit nahezu verdoppelt. Diese und weitere Zahlen aus dem Gender-Report 2013 bringen zwei wesentliche Erkenntnisse: Zum einen stehen die nordrhein-westfälischen Hochschulen bei der Entwicklung hin zu einer geschlechtergerechten Hochschullandschaft nicht mehr am Anfang des Weges, sie sind bereits ein gutes Stück vorangekommen. Die Anstrengungen in dieser Hinsicht haben sich also gelohnt. Zum anderen ist der Weg bis zur echten Chancengerechtigkeit zwischen Männern und Frauen in der Wissenschaft noch weit. Wir müssen am Ball bleiben und weiter daran arbeiten.

Woran hapert es an den NRW-Hochschulen und -Forschungseinrichtungen hinsichtlich der Gleichstellung von Mann und Frau weiterhin?

Svenja Schulze: Eine wesentliche Herausforderung ist die "leaky pipeline" der Wissenschafts- und Hochschulkarrieren von Frauen. Zu Beginn der Qualifikationsphase im Studium haben wir noch nahezu geschlechterparitätische Verhältnisse. Von Qualifikationsstufe zu Qualifikationsstufe nimmt diese Parität aber zu Ungunsten der Frauen ab. In den Hochschulleitungen und bei den Professuren sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Das muss sich ändern.

Wie gehen Sie diese Schwierigkeiten konkret an?

Svenja Schulze: Zunächst einmal gilt es, die Situation wirklich gründlich zu analysieren. Welche Faktoren fördern Karrieren von Frauen in der Wissenschafts- und Hochschullandschaft und welche behindern sie. Hier gehen wir dann gezielt vor. Im Entwurf des Hochschulzukunftsgesetzes finden sich hierzu einige Innovationen: So sollen in Zukunft in den Hochschulen Zielquoten zur Steigerung der Anzahl von Professorinnen vereinbart werden. Das Gebot der geschlechterparitätischen Besetzung der Hochschulgremien soll deutlicher und transparenter gestaltet werden. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Landesprogramm für geschlechtergerechte Hochschulen. Wichtig für die Fortentwicklung der Gleichstellungsstrategien und -instrumente ist natürlich der Austausch zwischen Hochschulen, Geschlechterforschung, Politik und Verwaltung. Deshalb veranstalten wir regelmäßig Gender-Kongresse.