Drei Fragen an... Ulrike Struwe

"Es gibt zu wenige Frauen als Rollenvorbilder"

Das Bild zeigt Ulrike Struwe vom Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen, "Komm, mach MINT.".
MINT-Netzwerkerin Ulrike Struwe: "Es gibt heute so viele weibliche MINT-Studierende und -Absolventinnen wie noch nie." (Foto: privat)

Dr. Ulrike Struwe ist Leiterin der Geschäftsstelle des Nationalen Paktes für Frauen in MINT-Berufen "Komm, mach MINT". Der Pakt verfolgt das Ziel, junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge zu begeistern und Hochschulabsolventinnen für Berufskarrieren in Wirtschaft und Wissenschaft zu gewinnen.

Frau Dr. Struwe, Sie versuchen mit Ihrer Initiative, mehr Mädchen und junge Frauen für MINT-Studiengänge bzw. -Berufskarrieren zu begeistern? Wie gut gelingt Ihnen das?

Ulrike Struwe: Es gibt heute so viele weibliche MINT-Studierende und -Absolventinnen wie noch nie. Jede vierte Studienanfängerin hat sich 2012 für ein technisch-naturwissenschaftliches Studienfach entschieden. Mit unserem Pakt vernetzen wir mehr als 180 engagierte Partner in Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung, Medien, Techniknetzwerken und Politik, um durch innovative Ideen und Maßnahmen mehr Frauen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu gewinnen. Der deutliche Anstieg bei den Studienanfängerinnen in Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik zeigt, dass die Zusammenarbeit dieser Partner zum Erfolg führt. Von 2008 bis 2012 gab es bei den Studienanfängerinnen eine Steigerung von 67 Prozent in den Ingenieurwissenschaften und von 52 Prozent in Mathematik und Naturwissenschaften. Und auch bei den Absolventinnen schlägt sich der positive Trend deutlich nieder: In den Ingenieurwissenschaften stieg ihre Zahl von 2008 bis 2012 um 59 Prozent, in Mathematik und Naturwissenschaften um 32 Prozent.

Wie kriegen Sie bei den Mädchen das tradierte Bild aus den Köpfen, dass Jungs MINT-Berufe von Natur aus besser können?

Ulrike Struwe: Vor allem realistische Informationen über die MINT-Bereiche sind notwendig, um nachhaltig zu einer Erweiterung des Berufswahlspektrums beizutragen. Wichtig ist, die Schülerinnen in ihren technischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen zu bestätigen, so dass sie durch eigenes Ausprobieren und Erleben eine fundierte Berufsentscheidung treffen können. Aufgrund fehlender Praxiserfahrungen fehlt ihnen oft auch die Wahrnehmung dafür, dass ihre Fähigkeiten und Kompetenzen durchaus für MINT-Studiengänge oder -Berufe geeignet sind.
Und es gibt zu wenige Frauen als Rollenvorbilder. Dies erzeugt Vorbehalte nicht nur bei jungen Frauen selbst, sondern auch bei Lehrkräften, Berufsberatungen, Eltern und Freunden. Junge Frauen sehen nicht, dass ihre Interessen beispielsweise in Mathematik, Naturwissenschaften und Sprachen hervorragend zu einem MINT-Beruf passen könnten, und ziehen ein entsprechendes Studium erst gar nicht in Erwägung.

Warum sind Frauen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik einfach unverzichtbar?

Ulrike Struwe: MINT-Fächer, Innovation und Frauen gehören unbedingt zusammen. Die jungen Frauen von heute sind hervorragend qualifiziert. Nur wenn alle Talente eingebunden werden, kann die Qualität von Forschung vorangebracht werden. Und mehr Frauen in MINT sind eine Chance, um erfolgreich neue Märkte zu erschließen, weil mehr Perspektiven in der Entwicklung berücksichtigt werden.