Interview mit Julia Rohe

Engagement wird groß geschrieben

Porträtbild von Julia Rohe
Julia Rohe (Foto: Uwe Völkner)

Julia Rohe studierte Rehabilitationspädagogik an der TU Dortmund und ist Vorstandsmitglied der BAG Behinderung und Studium e.V.

Warum engagieren Sie sich für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen?

Julia Rohe: Mit 15 Jahren habe ich begonnen, ein Mädchen mit einer schweren körperlichen und geistigen Behinderung zu betreuen. Im Laufe der vielen Jahre wurde mir klar: Ich möchte diese Unterstützung zu meinem Beruf machen und mich für die Integration von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft einsetzen. Während meines Rehabilitationspädagogik-Studiums an der TU Dortmund lernte ich interessante integrative und inklusive Projekte kennen und habe mich sofort beteiligt.

In welche Projekte waren und sind Sie involviert?

Julia Rohe: Während meines Studiums unterstützte ich ein inklusives Tanztheater: Menschen mit und ohne Behinderung tanzen dort zusammen und drücken ihre Gefühle durch Bewegungen, Mimik und Gestik aus. Es gibt weder Drehbuch noch Choreographie, die Szenen entstehen durch die Erzählungen der Teilnehmenden bei den Proben. Zudem war ich Mitglied der Interessengemeinschaft behinderter, chronisch kranker und nichtbehinderter Studierender (IbS) an der TU Dortmund sowie Referentin des ansässigen Autonomen BehindertenReferates (ABeR). Dort setzte ich mich für die Verbesserung der universitären Bedingungen ein – beispielsweise für die Anschaffung von Bildschirmlesegeräten. Viel Privatleben blieb mir da zwar nicht mehr, aber ich habe viel zurückbekommen und gelernt, meine Zeit effektiv zu gestalten. Aktuell bin ich Vorstandsmitglied der BAG Behinderung und Studium e.V. Sie engagiert sich deutschlandweit und behinderungsübergreifend für die Gleichberechtigung von Studierenden mit Behinderung und chronischer Erkrankung. Wir unterstützen ein Projekt zur Weiterbildung von Bachelor-Absolventen mit Behinderung und veranstalten regelmäßig Workshops: zuletzt zu barrierefreier Hochschuldidaktik und Nachteilsausgleichen.

Wie wird eine Hochschule inklusiv?

Julia Rohe: Neben der baulichen ist auch die didaktische Barrierefreiheit von zentraler Bedeutung. Gebärdensprachdolmetscher in Seminaren, behindertengerechte Materialien und Hilfsmittel sowie Assistenzpersonal in den Bibliotheken erleichtern Studierenden mit Behinderung den Studienalltag. Wichtig ist außerdem eine umfassende Aufklärung und Beratung: So werden Vorurteile aus dem Weg geräumt und Hochschulangehörige für die Bedarfe von Studierenden mit Behinderung sensibilisiert. Für die Studierenden mit Behinderung sind Interessenvertretungen vor Ort eine starke Stütze. Die Betroffenen profitieren hier unter anderem von gemeinsamen Gesprächen und dem Erfahrungsaustausch.