Interview mit Philipp Schaps

Familie ist kein Frauenthema

Porträtbild von Philipp Schaps
Philipp Schaps (Foto: Stefan Sättele)

Philipp Schaps leitete bis 2013 das „Projekt Väterarbeit“ an der RWTH Aachen und engagierte sich für Väter, die an der Universität beschäftigt sind. Seit diesem Jahr ist er stellvertretender Leiter des Büros für Chancengleichheit am Forschungszentrum Jülich.

Welche Herausforderungen stellen sich speziell für Väter, die in der Wissenschaft tätig sind?

Philipp Schaps: Männer haben denselben Beratungsbedarf wie Frauen, es gibt jedoch spezifische Themen, die Väter besonders betreffen. Männer müssen häufig mit Rollenkonflikten am Arbeitsplatz kämpfen, weil längere Phasen der Elternzeit nach wie vor weniger akzeptiert sind als bei Frauen. Auch der Faktor Zeit ist ein Problem bei Vätern – speziell in Führungspositionen.

Kann das Väterprojekt dieses Zeitproblem lösen?

Philipp Schaps: Nein, aber wir zeigen auf, wie Väter gezielt Freiräume schaffen und Prioritäten setzen können. Das Väterprojekt organisiert Vater-Kind-Aktionen, die abends oder am Wochenende stattfinden. So können alle Mitarbeiter der Universität, auch wenn sie stark eingespannt sind, ungezwungen etwas mit ihren Kindern unternehmen und dabei mit anderen Statusgruppen der Universität in Kontakt kommen. Das ist immer sehr gut angekommen.

Was können Hochschulen tun, um Studien- und Arbeitsbedingungen speziell für Väter zu verbessern?

Philipp Schaps: Entscheidend ist der Aufbau einer guten Struktur, das betrifft Fragen der Studienorganisation und Anwesenheitspflichten genauso wie ausreichende Angebote zur Kinderbetreuung. Familienberatung ist ebenfalls wichtig – jedoch nutzen vor allem Frauen diesen Service. Um Männer anzusprechen, haben wir den Väterstammtisch ins Leben gerufen. Hier wird in ungezwungener Atmosphäre über Kinder, Erziehung und Familie diskutiert. In diesem geschützten Raum gibt es keine Hemmschwelle, sich über die klassischen „Windelthemen“ zu unterhalten – die Gespräche im eigenen Freundeskreis sind meist weniger offen. Der Stammtisch ist eine ideale Plattform um zu zeigen, dass Familie kein Frauenthema ist und Väterarbeit an der Universität eine wichtige Rolle spielt.