Interview mit Silvia Krebs-Oviedo

"Angst, sich in der akademischen Welt nicht bewähren zu können"

Das Bild zeigt Silvia Krebs-Oviedo, Studienberaterin an der RWTH Aachen.
Silvia Krebs-Oviedo arbeitet in der Studienberatung der RWTH Aachen. (Foto: Guido Schiefer)

Seit 2001 arbeitet Silvia Krebs-Oviedo in der Studienberatung der RWTH Aachen. Für die Fragen und Probleme von Studieninteressierten und Studierenden aus bildungsfernen Familien ist sie besonders sensibilisiert.

Welche Probleme haben Studieninteressierte und Studierende aus bildungsfernen Familien, wenn sie in die Studienberatung kommen?

Silvia Krebs-Oviedo: Sie haben Angst, sich in der akademischen Welt nicht bewähren zu können, weil sie sie nicht kennen. Außerdem haben sie - genau wie Jugendliche aus akademischen Familien - Schwierigkeiten, sich für das Studium oder ein Studienfach zu entscheiden. In ihrem Umfeld fehlen ihnen aber die Rollenvorbilder und Leute, die ihnen bei diesen Entscheidungen helfen.
Auch Studierende mit einem nicht-akademischen Hintergrund, die das falsche Studienfach gewählt haben, sind häufig besonders verunsichert. Sie neigen schnell dazu, das Studium ganz aufgeben und eine Berufsausbildung beginnen zu wollen. Studierende aus Akademiker-Familien sehen das lockerer: Der Besuch einer Hochschule gehört selbstverständlich zum Bildungsweg. Sie sind überzeugt, dass sie zum Studium geeignet sind und versuchen ein anderes Fach.

Wie kann man die Hürden beseitigen?

Silvia Krebs-Oviedo: Jugendliche, deren Eltern nicht studiert haben, brauchen kontinuierliche Unterstützung sowie Begleitung bei der Studienwahl und dem Übergang in die Hochschule. Die sollte möglichst schon 2-3 Jahre vor dem Abitur beginnen. Auch das Bildungssystem setzt von Vornherein Grenzen: In 12 Jahren Studienberatung habe ich es nie erlebt, dass Studieninteressierte, die von der Realschule auf das Gymnasium wechselten, ein Einser-Abitur haben. Erst kürzlich hatte ich wieder eine Schulaufsteigerin mit Migrationshintergrund in der Beratung. Ihr Wunsch Ärztin zu werden, wird sich nicht erfüllen, weil ihr Nc nicht ausreicht.

Welche Unterstützung bieten Sie an der RWTH Aachen?

Silvia Krebs-Oviedo: In unserer Studienberatung haben wir ein besonderes Augenmerk auf Schülerinnen und Schüler aus nicht akademischen Familien, wir unterstützen sie bei der Studienwahl und geben Hilfestellung, damit sie sich in der akademischen Welt besser zurechtfinden. Wir arbeiten auch mit Initiativen wie "Arbeiterkind.de" zusammen. An der RWTH Aachen ist das Diversity-Management ein großes Thema: Mit der Stabstelle "Integration Team Gender and Diversity" (IGAD) und dem Arbeitskreis "Anti-Diskriminierung" des Gleichstellungsbüros sind wir gut aufgestellt.