Interview mit Dirk Schulz

"Political Correctness reicht nicht"

Das Bild zeigt Dr. Dirk Schulz, Geschäftsführer der Gender Studies in Köln.
Dr. Dirk Schulz (Foto: Rainer Hotz)

Dr. Dirk Schulz ist Geschäftsführer der Gender Studies in Köln, kurz: GeStiK. Als zentrale, wissenschaftliche Einrichtung fördert GeStiK die Auseinandersetzung mit dem Thema Geschlechterdifferenz auf Universitätsebene und den Dialog der einzelnen universitären Disziplinen untereinander.

Wie wird eine Hochschule zu einem diversen Lebensraum?

Dr. Dirk Schulz: Zunächst einmal ist sie das ja schon. Eine Hochschule sollte daher ihre inhärente Diversität in den Blick nehmen, ohne dabei Ausschlüsse zu produzieren und Differenzen als Oppositionen zu verstehen. Zunächst müssen die Bedürfnisse der Hochschulangehörigen erfasst werden. Das ist aufgrund der starken Segregation der Hochschule in Verwaltung, Lehrende, Studierende und Gäste eine große Herausforderung.

Was leistet GeStiK in diesem Zusammenhang?

Dr. Dirk Schulz: Die Gründung von GeStiK unterstreicht: Die Uni Köln stellt sich kritisch den Fragen nach Geschlechterdifferenz und ihrer eventuell diskriminierenden Auswirkungen. Zwar gab es bereits vor GeStiK ein Angebot an Gender Studies, allerdings fehlte bislang ein Ort des Austauschs und der Koordination zwischen den Disziplinen und Perspektiven. Ab Wintersemester 2017/18 soll es einen Master Gender Studies geben, in Kooperation mit allen Fakultäten und weiteren Hochschulen der Stadt.
Durch die Arbeit von GeStiK soll die Vorstellung der Gegensätzlichkeit, die sich in "Hetero-Homosexualität", "Frau-Mann-sein" oder "Mehrheit-Minderheit" artikuliert, vermieden werden. Die Debatte um sexuelle Identitäten ist aufgrund der Ambivalenz von intimer Privatsache und öffentlichem Diskurs besonders heikel. Deshalb versuchen wir, Anerkennung und Wertschätzung zu vermitteln, ohne dabei Labels zu verwenden, die trennend und ausschließend wirken.

Wie tolerant sind die Hochschulangehörigen gegenüber LSBTTI?

Dr. Dirk Schulz: Die meisten Menschen geben sich aufgeschlossen, sie wissen, welche Haltung erwartet wird. Allerdings habe ich oft das Gefühl, dass dies weniger eine persönliche Einsicht als Political Correctness ist. Es ist schwierig einzuschätzen, wer nur vorgibt, das Anliegen von Gender und Queer Studies nachzuvollziehen und wer es wirklich tut. Political Correctness ist zu wenig und hält davon ab, sich mit den eigenen Vorurteilen zu beschäftigen. GeStiK fördert die Hinterfragung etablierter Verständnisse von Geschlechterdifferenz: Wir alle sind von Genderkonstruktionen betroffen und müssen uns damit auseinandersetzen, wie wir aufgrund von Geschlechterzuschreibungen gesehen werden.