Interview mit Dina El Omari

Ein neues Bild vom Islam

Das Bild zeigt Dina El Omari.
Dina El Omari (Foto: Peter Grewer)

Die Hochschule ist der ideale Ort, um Toleranz und Dialog zwischen den Religionen zu fördern – sagt Dina El Omari. Die promovierte Islamwissenschaftlerin und gläubige Muslimin arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für islamische Theologie an der Universität Münster.

Welche Bedeutung hat die Auseinandersetzung mit Religion an der Hochschule?

Dina El Omari: Der Islam ist in Deutschland mit Vorurteilen behaftet: Die meisten Muslime kamen im Zuge der Arbeitermigration hierher und stammen aus ursprünglich bildungsfernen Schichten. Daher haben viele Muslime keinen reflektierten Zugang zu ihrem Glauben. Hinzu kommt der fehlende islamische Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, so dass es kaum Räume gibt, sich mit seiner Religion sachlich auseinanderzusetzen. An der Hochschule können sich gläubige Studierende und Wissenschaftler auf akademischer Ebene und mit wissenschaftlichen Methoden mit Religion auseinandersetzen und frei reflektieren. Unsere Studierenden tragen dieses reflektierte Bild vom Islam in die Schulen und in die Gesellschaft zurück – denn sie sind die Religionslehrer von morgen.

Was hat die Einführung der islamischen Theologie an der Hochschule noch bewirkt?

Dina El Omari: Die jungen Muslime haben nun die Möglichkeit, sich sachlich und objektiv mit dem Islam zu beschäftigen und die innerislamische Vielfalt kennen zu lernen. Zudem belegen sie meist auch andere Fächer und können dort die kritische Auseinandersetzung mit religiösen Themen anstoßen. Wir legen großen Wert auf Öffentlichkeitsarbeit und laden die Bevölkerung zu Veranstaltungen ein – nur so lassen sich Vorurteile abbauen und ein sachlicher öffentlicher Diskurs über den Islam etablieren.

Wie kann die Hochschule religiöse Vielfalt unterstützen?

Dina El Omari: Die Hochschule kann Räume für Gebete oder interkulturelle und interreligiöse Begegnungen bereitstellen. Alle Menschen, egal welche religiöser Gesinnung, können sich dort austauschen und voneinander lernen – das ist eine enorme Bereicherung. Die Initiative muss hierbei aber vor allem von den religiösen Interessenvertretern an den Hochschulen ausgehen.