Universität Bielefeld: Gemeinsam anfangen - durch Austausch lernen

Das Bild zeigt drei Studentinnen beim gemeinsamen Lernen. Der Tutor hilft ihnen.
Gerade Studienanfängerinnen und -anfänger fragen lieber den studentischen Tutor als den Professor. Darauf setzt die Universität Bielefeld mit ihrem prämierten Programm. (Foto: Universität Bielefeld)

Die Universität Bielefeld ist mit ihrem Projekt "Gemeinsam anfangen - durch Austausch lernen" eine der Siegerinnen im Wettbewerb "Guter Studienstart" des NRW-Wissenschaftsministeriums. Sie will damit Studierende schnell und gut ins Universitätsleben integrieren und ihnen durch die Unterstützung ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen den Einstieg ins Studium erleichtern. Das Projekt orientiert sich an dem in England und Skandinavien seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführten Konzept des Peer Assisted Learning (PAL).

Im Kern geht es darum, den Studienstartern in den Einführungsveranstaltungen mehr Gelegenheit zur aktiven Aneignung von fachlichen Inhalten durch Austausch mit anderen zu geben. Hierbei werden die Erstsemester von Kommilitoninnen und Kommilitonen des zweiten oder dritten Semesters unterstützt, die die Veranstaltung bereits erfolgreich absolviert haben. Anders als "klassische" Tutorinnen und Tutoren haben diese PAL-Teamer dabei nicht die Aufgabe, fachliche Inhalte zu erklären oder Übungsaufgaben vorzurechnen, sondern den Austausch über fachliche Inhalte anzuregen und zu moderieren. Für diese Aufgabe werden sie vorab geschult und während des Semesters begleitet. „Wir sind davon überzeugt, dass Studierende umso erfolgreicher studieren, je früher und intensiver sie mit anderen zusammenarbeiten“  erklärt Dr. Andrea Frank, die für den Wettbewerbsbeitrag der Universität Bielefeld verantwortlich zeichnet.

PAL ist Hilfe auch für die Lehrenden

Erstsemester sollen auf diese Weise schnell und einfach erste Kontakte knüpfen und in Einführungsveranstaltungen Lerngruppen mit maximal zehn Studierenden bilden, in denen die gerade gehörten Inhalte diskutiert und Fragen miteinander geklärt werden. Eine wichtige Aufgabe der PAL-Teamer ist es, darauf zu achten, dass auch die Punkte gesammelt werden, die unklar geblieben sind oder nicht verstanden wurden.  Im Anschluss an die Veranstaltung treffen sich alle PAL-Teamer mit dem Lehrenden und melden ihm zurück, welche Fragen in ihren Lerngruppen geklärt werden konnten, und welche  Punkte noch einmal aufgegriffen und erklärt werden sollten. PAL ist also nicht nur eine Hilfe für Studierende, sondern auch für die Lehrenden.

"Gerade am Studienbeginn sind viele Studierende unsicher darüber, wonach man fragen kann, ohne sich zu blamieren. Wir gehen davon aus, dass sich Studierende eher trauen, einen erfahreneren Mitstudierenden zu fragen als den Professor, wenn sie etwas nicht verstehen", erläutert Dr. Frank. Das Konzept soll der oft beklagten Passivität der Studierenden entgegenwirken, indem es ihre Selbstständigkeit und ihr Selbstbewusstsein stärkt. Die Studierenden sind in der Gruppe sozial eingebunden, sie erleben Entlastung durch die Erfahrung, dass andere vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen und sie gemeinsam an deren Überwindung arbeiten. In der Zusammenarbeit stärken sie ihre Motivation und ihr Durchhaltevermögen. Durch das Einbringen ihrer individuellen Stärken, Ressourcen und Perspektiven erleben sie, wie Synergien entstehen.

Erfahrungen anderen NRW-Hochschulen zugänglich machen

Die Fördermittel des Landes wird die Universität Bielefeld unter anderem nutzen, um fächerspezifische Varianten studentischer Zusammenarbeit sowie ein Modul zur Qualifizierung von PAL-Teamern zu entwickeln. Lehrende, die PAL in ihre Veranstaltungen integrieren, werden zur Unterstützung Hilfskraftmittel erhalten. Die Universität Bielefeld wird ihre Erfahrungen für die anderen NRW-Hochschulen aufbereiten und im Rahmen von Workshops und Materialsammlungen zur Verfügung stellen.

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Der Wettbewerb "Guter Studienstart" des NRW-Wissenschaftsministeriums fördert Projekte an Hochschulen, die in der wichtigen Anfangsphase Orientierung bieten, früh auf Schwierigkeiten im Studienverlauf reagieren und somit vermeidbare Studienabbrüche verhindern. Insgesamt 20 Universitäten und Fachhochschulen reichten ihre Konzepte ein. Die vier überzeugendsten werden nun über einen Zeitraum von vier Jahren mit je 1,25 Millionen Euro unterstützt.