RWTH Aachen: Forschen mit Perspektive

2010 waren an der RWTH Aachen Arbeitsverträge mit Laufzeiten unter einem Jahr fast die Regel. Die Uni beschloss: So kann das nicht bleiben. Und handelte konsequent.

Angefangen hat alles mit einem Gespräch über den Schreibtisch hinweg. Das war 2010 und die Personalverwaltung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) kam kaum noch hinterher damit, Arbeitsverträge neu auszustellen oder zu verlängern. Mal ging es um zwei Monate, mal um sechs, selten um anderthalb Jahre. Zudem war die kurze Laufzeit der Arbeitsverträge ein ständiges Thema mit dem wissenschaftlichen Personalrat. Um die Problematik mit Fakten zu belegen, zog sich das Personaldezernat die Zahlen aus dem System – und vereinbarte umgehend einen Termin bei Rektor Univ.-Prof. Dr.-Ing. Ernst Schmachtenberg.

Die Analyse ergab: Fast zwei von drei der befristet angestellten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der RWTH Aachen hatten 2010 Verträge mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr. Das konnte und wollte das Rektorat so nicht stehen lassen: "Natürlich hängt die Beschäftigungssituation an einer Hochschule eng mit ihrer finanziellen Ausstattung zusammen. Aber wir haben keinerlei Interesse daran, dass sich unser Personal von Vertrag zu Vertrag hangelt", sagte der Rektor. "Die RWTH ist darauf angewiesen, für begabte Forscherinnen und Forscher eine attraktive Arbeitgeberin zu sein."

Die RWTH Aachen

  • Mit 43.000 Studierenden ist die RWTH Aachen eine der größten Hochschulen in NRW.

Die RWTH Aachen

  • Die neun Fakultäten bieten 144 Studiengänge an.

Die RWTH Aachen

  • Mehr als 9.000 Menschen sind an der RWTH Aachen beschäftigt, zwei Drittel im wissenschaftlichen Bereich.

Die RWTH Aachen

  • Das Finanzvolumen betrug 2013 rund 840 Millionen Euro, davon entfielen 330 Millionen Euro auf Drittmittelprojekte.

Im April 2011 erließ das Rektorat eine Richtlinie, die den Umgang mit Befristungen neu regelte. Die Laufzeit der Verträge soll mindestens ein Jahr betragen und davon abweichende Ausnahmefälle sind nur mit besonderer Begründung zulässig. Der Umfang der Stelle soll mindestens 50 Prozent der regulären wöchentlichen Arbeitszeit betragen. Das Ziel war, für die gesamte Phase der wissenschaftlichen Qualifizierung verlässlichere Vertragslaufzeiten zu schaffen.

Parallel dazu verabschiedete die Hochschule mit einer breiten Mehrheit in allen Gremien neue Leitlinien für die Personalentwicklung. Sie zeigen Beschäftigten mögliche Karrierewege inner- und außerhalb der Universität auf und unterstützen durch entsprechende Maßnahmen. Die Gleichstellung der Geschlechter sowie Diversity Management sind Chefsache geworden. Flexible Arbeitsmodelle gewähren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Einen unbefristeten Vertrag kann die RWTH Aachen den meisten Beschäftigten zwar dennoch nicht anbieten. "Die Hochschule ist ein spannender Arbeitgeber für Menschen, die sich in einer bestimmten Zeit wissenschaftlich qualifizieren wollen", so Rektor Schmachtenberg.

Hierauf aufbauend ergeben sich jedoch vielfältige Karrierewege in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. "Der Wechsel des Arbeitsplatzes ist also inhärenter Teil der beruflichen Entwicklung", erläutert die Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs apl. Prof. Dr. rer. nat. Doris Klee. "Wir sind herausgefordert, diese Karrierewege verlässlicher zu machen."

Kurzzeitverträge sind deshalb heute die Ausnahme, die sie sein sollen. Drei von vier wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind mindestens ein Jahr lang beschäftigt, häufig deutlich länger. Fallen Verträge kürzer aus, gibt es dafür einen guten Grund. Sei es, dass bis zur Abgabe der Dissertation nur wenige Wochen fehlen; sei es, dass die finale Zusage für ein Drittmittelprojekt noch aussteht.

Damit erfüllt die RWTH wesentliche Teile aus dem neuen Rahmenvertrag "Gute Arbeit" schon jetzt. Der Umsetzung sieht das Rektorat daher gelassen entgegen. Grundsätzlich seien sich alle Organe und Gremien einig, dass Beschäftigte gute Arbeitsbedingungen brauchen, heißt es. Der Rahmenvertrag sorgt nun dafür, dass das Thema dauerhaft auf der Agenda bleibt.

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