Aachener Zeitung: "Eine tragende Säule"

19. Februar 2016: Drei Fragen an Wissenschaftsministerin Svenja Schulze

Welche Bedeutung haben die neuen Werkstoffe für NRW?

Schulze: In vielen Bereichen und auf vielen Ebenen sind Innovationen ohne eine so vielfältig einsetzbare und nutzbare Querschnittstechnologie wie neue Werkstoffe kaum noch möglich. Aktuell sind es 200 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr in NRW mit neuen Werkstoffen. Das zeigt: Das ist eine mächtige, tragende Säule für Wirtschaft und Wohlstand in unserem Land.

Haben neue Werkstoffe am Ende das Potenzial die klassische Industrie in NRW mit Kohle und stahl zu ersetzen bzw. deren Niedergang zu kompensieren?

Schulze: Da gibt es für mich kein Entweder-oder. Klassische Industrien sind nicht veraltete Technologie, gerade hier in NRW werden sie auf höchstem Niveau weiterentwickelt. So sind etwa neue Stahlsorten und Stahlanwendungen elementarer Bestandteil des hochmodernen Leichtbaus. Neue Werkstoffe bedeuten also nicht den Verzicht auf "klassische Industrie". Es gilt, Synergien und Potenziale intelligent zu nutzen.

Warum ist gerade NRW bundesweit führend in diesem Sektor?

Schulze: Wir sind ja nicht nur bundesweit führend, sondern auch auf europäischer Ebene und sogar im globalen Maßstab hervorragend aufgestellt. Die Basis dafür ist unsere exzellente Wissenschaftslandschaft. 72 Hochschulen und 50 außeruniversitäre Einrichtungen haben ihren Sitz in NRW. Sie alle leisten, das gilt im besonderen Maße natürlich auch für die neuen Werkstoffe, einen wichtigen und letztlich entscheidenden Beitrag für den schnellen Transfer von technologischem Fortschritt zu gesellschaftlichem Nutzen. Und genau darauf kommt es an.