Bild: "Auch ein alter Baumarkt kann ein guter Hörsaal sein"

25. Februar 2013: In diesem Jahr strömt der doppelte Abiturjahrgang an die Unis: 130.000 Studierende, 20.000 mehr als sonst üblich.

BILD fragte Wissenschaftsministerin Schulze, wie die Hochschulen den Ansturm verkraften sollen.

BILD: Frau Ministerin, können Sie garantieren, dass jeder Interessierte in NRW einen Studienplatz bekommt?

Svenja Schulze: „Nicht jeder wird an seinem Wunschort sein Wunschfach studieren können. Dann würden bei den Wirtschaftswissenschaften etwa alle in Köln studieren wollen – wo es aber auch in Bielefeld noch viele freie Plätze gibt. Die Unis werden aber sicher mehr als die ursprünglich versprochenen knapp 100 000 zusätzlichen Plätze bis 2015 schaffen.”

BILD: Wirklich?

Schulze: „Das hat unser Monitoring im vergangenen Jahr ergeben. So liegen etwa, um nur vier Beispiele zu nennen, die Unis in Bochum, Duisburg-Essen, Düsseldorf
und Köln teilweise deutlich über den Zielvereinbarungen für das Jahr 2013. Bochum z.B. will 1600 statt wie vereinbart 1100 zusätzliche Studienplätze ermöglichen.”

BILD: Und die Vorlesungen laufen dann im Container?

Schulze: „Es wird weiter Übergangslösungen geben, weil nicht alle Bauvorhaben bis zum Herbst beendet sind. Der umgebaute Baumarkt in Paderborn z.B. ist ein guter Hörsaal, und auch ein altes Kino kann eine Lösung sein. Da sind die Sessel
gut gepolstert, auch die Lernatmosphäre stimmt.”

BILD: Werden sich die Unis mit härteren Zugangsbeschränkungen gegen die Studentenflut abschotten?

Schulze: „Diese Gefahr sehe ich nicht. Heute haben 48 Prozent der Fächer einen numerus clausus. Im Wintersemester 2006/2007 waren es noch 50 %.“
BILD: Und wie kommt man nun am besten zu einem Studienplatz?
Schulze: „Bei 1800 Studiengängen in NRW ist es viel wichtiger als früher, sich vor dem Studium beraten zu lassen. Und zwar nicht per Internet-Suchmaschine, sondern direkt und professionell. Dann stehen am Ende vier bis fünf gute Angebote für einen Studienbereich.”

BILD: Ihr neues Hochschulgesetz ist umstritten, weil es angeblich die Freiheit der Unis einschränkt...

Schulze: „Ich will keine Behörde schaffen, die den Unis auf die Finger schaut. Ich fordere aber mehr Transparenz, wofür die Hochschulen die vier Milliarden Euro Steuermittel pro Jahr ausgeben. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.”

Das Interview führten Kerstin Jäckel, Anne Merholz und Peter Poensgen.