Die Glocke: Forschung macht Menschen das Leben leichter

11. Mai 2013: Wissenschaftsministerin Svenja Schulze auf Redaktionsbesuch in Oelde

Redaktionsbesuch Glocke
Den Fragen der „Glocke“-Redaktionsrunde zu den Schwerpunktthemen Studium und Forschung stellte sich NRW-WissenschaftsministerinSvenja Schulze während eines Redaktionsbesuchs am Freitag in Oelde. Das Bild zeigt (v. l.) „Glocke“-Verleger und -Chefredakteur FriedGehring, Ministerin Schulze und den Stellvertretenden Chefredakteur Thorsten Duibmann. Bild: Reimann

Wenn ein Physiker sich in eine Zahntechnikerin verliebt, kann das durchaus für die Gesellschaft relevant sein. Zumindest dann, wenn sich einer von der Tätigkeit des anderen inspirieren lässt, und am Ende ein energiesparender Bildschirm steht.

Als NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) im Redaktionsgespräch mit der "Glocke" dieses Beispiel für erfolgreiche Forschung schildert, leuchten ihre Augen. Sie hat sichtlich Spaß an dieser wissenschaftlich bedeutsamen Liebesgeschichte. "In der Zahnmedizin werden Stoffe verwendet, die dafür sorgen, dass sich Plomben beim Aushärten nicht zusammenziehen", erklärt die 44-Jährige. Der Kölner Physiker hat diese Eigenschaft auf die Farbdarstellung zum Beispiel von Smartphone-Displays übertragen. Das Ergebnis: Er hat Bildschirme entwickelt, die nur die Farben darstellen, die gerade gebraucht werden. "Dadurch verbrauchen die Displays weniger Strom", fasst Svenja Schulze begeistert zusammen. Die bisherige Funktionsweise, bei der Farben unter hohem Energieaufwand aktiv ausgeblendet werden, könnte damit irgendwann abgelöst werden.

Mit dem Bild, dass Forscher alleine in ihrem Studierzimmer experimentieren, räumt die Herzblut-Politikerin auf. "Neue Ideen entstehen im regionalen Umfeld", sagt die Münsteranerin und kommt auf Nanowerkstoffe zu sprechen. Was im ersten Moment abstrakt erscheint, macht den Menschen das Leben leichter. So hat das Technologie-Netzwerk Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe – kurz it’s OWL – ein Schmieröl entwickelt, das unter Einwirkung von Strom fest wird. Davon könnten etwa Gehbehinderte beim Aussteigen aus einem Auto profitieren. Denn das auf Knopfdruck erstarrende Öl sorgt dafür, dass die Autotür beim Öffnen in einer Position verharrt und man sich daran festhalten kann. "Und wir werden weitere Anwendungsfelder finden", ist sich die Ministerin sicher. Das Wissenschafts- und Forschungsministerium arbeitet an einer neuen Forschungsstrategie in NRW, an deren Ausgestaltung sich die Bürger mit Vorschlägen beteiligen können. Als wichtige Forschungsbereiche der Zukunft nennt Svenja Schulze den Klimawandel, das Energiesparen und die Frage, wie Menschen gesund alt werden können. Und vielleicht schreibt die Forschung wieder die ein oder andere Liebesgeschichte.

Das Interview führte Conny Timmermann.