Gender-Kongress 2017

Von der Diagnose zur Therapie – Geschlechter(un)gerechtigkeit in Hochschule und Hochschulmedizin

Es bewegt sich etwas in puncto Geschlechtergerechtigkeit an den nordrhein-westfälischen Hochschulen. Das machen die Daten und Analysen des Gender-Reports 2016 deutlich. Insbesondere die Gleichstellungsquote für die Besetzung von Professuren im neuen Hochschulgesetz hat eine Verbindlichkeit geschaffen, die ihre ersten positiven Wirkungen zeigt. Dennoch weisen die Ergebnisse des Reports auch darauf hin, dass es mit Blick auf die Gleichstellung von Frau und Mann in Lehre und Forschung weiterhin großen Handlungsbedarf gibt. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Hochschulmedizin. Unter den AbsolventInnen, die erfolgreich ein Medizinstudium abschließen, sind Frauen seit Längerem in der Mehrheit, von den Professuren der Universitätskliniken und Medizinischen Fakultäten ist dagegen nur jede sechste mit einer Frau besetzt – der Gender Gap ist in der Hochschulmedizin somit besonders stark ausgeprägt.

Der Gender-Kongress des Wissenschaftsministeriums soll einen Raum bieten, um im gemeinsamen Austausch Forschungsergebnisse und Handlungsperspektiven für mehr Chancengerechtigkeit zu diskutieren. Beteiligen Sie sich an dieser Diskussion beim diesjährigen Gender-Kongress am Mittwoch, dem 8. März 2017, in Essen.

Ablauf

ab 9.00 Uhr Anmeldung & Stehcafé

10.00 Uhr Grußwort
Wissenschaftsministerin Svenja Schulze

10.15 Uhr Im Überblick: Der Gender Gap in Hochschule und Hochschulmedizin – zentrale Ergebnisse des Gender-Reports 2016
Dr. Beate Kortendiek, Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW

10.45 Uhr „Nicht die Frauen sind das Problem, sondern die Strukturen…“
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Bettina Pfleiderer, Präsidentin des Weltärztinnenbundes, Universität Münster

11.15 Uhr Unter Medizinmännern – gesellschaftliche und führungskulturelle Fragen in einer modernen Gesundheitsversorgung
Prof. Dr. Dr. med. habil. Dr. phil. Dr. theol. h. c. Eckhard Nagel, Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Universität Bayreuth

11:45 Von der Diagnose zur Therapie: Was braucht die Gleichstellung in der Hochschulmedizin?
Im Gespräch mit:
Prof. Dr. med. Jan Buer, Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. med. Dagmar Dilloo, Universitätsklinikum Bonn
Prof. Dr. med. Nobert Roeder, Universitätsklinikum Münster
Rita Winkels, Universtitätsklinikum Aachen
Prof. Dr. Christiane Woopen, Universität Köln

13.00 Uhr Mittagsimbiss

14.00 Uhr Parallele Werkstätten

  • Werkstatt 1: Gleichstellung per Gesetz – Wirkungen und Nebenwirkungen des Hochschulzukunftsgesetzes NRW

Zahlreiche Neuerungen im Hochschulzukunftsgesetz zielen auf eine Stärkung von Gleichstellungsarbeit ab. So wurde eine Gleichstellungsquote für die Berufung auf Professuren verankert. Auch die geschlechtergerechte Zusammensetzung von Hochschulgremien und der Einsatz von dezentralen Gleichstellungsbeauftragten werden durch das Gesetz vorgegeben. Erste Ergebnisse weisen auf eine positive Wirkung dieser erhöhten Verbindlichkeiten hin. Wie können bisherige Erfolge gefestigt und ausgeweitet werden? Welche Erfordernisse bleiben weiterhin bestehen?

Statement: Geschlechtergerechtigkeit per Gesetz. Lässt sich Gleichstellung verordnen? (Prof. Dr. Joachim Goebel, MIWF NRW)
Statement: Neue Impulse für eine geschlechtergerechte Hochschulkultur – das Hochschulzukunftsgesetz in NRW (Dr. Beate von Miquel, Universität Bochum)
Moderation: Ingrid Fitzek, Universität Duisburg-Essen

  • Werkstatt: 2: Wissenschaftskarrieren in der Medizin fördern

Mehr Chancengleichheit, aber auch eine effektive Nutzung aller vorhandenen fachlichen Kapazitäten mit dem Ziel einer stetigen Verbesserung von Forschung, Lehre und Krankenversorgung sind nur möglich, wenn es gelingt, eine größere Anzahl von Frauen in Leitungsfunktionen und auf Professuren einzubringen. Grundlegend ist es, Frauen während ihrer gesamten Wissenschaftskarriere zu fördern und Perspektiven innerhalb der Wissenschaft aufzuzeigen. Wie kann dies gelingen?

Statement: „Also es gibt ja so Ausnahmefrauen, die das schaffen“. Wie die Ausnahme zum Normalfall werden könnte (Prof. Dr. Dorothee Alfermann, Universität Leipzig)
Statement: Mentoring – Benefit für Mentees, Mentorinnen und Mentoren und für die Institution (Dr. Renate Petersen, Universität Duisburg-Essen)
Moderation: Dr. Bärbel Miemietz, Medizinische Hochschule Hannover

  • Werkstatt 3: Care-Arbeit und (Wissenschafts-)Karrieren – Vereinbarkeit verbessern

Noch immer ist die Übernahme von Familienaufgaben in den meisten Fällen mit einer Verlangsamung, wenn nicht gar Stagnation des wissenschaftlichen Karrierewegs verbunden. Dies bedeutet eine Herausforderung für alle Eltern und andere Personen mit Pflegeverantwortung, zugleich betrifft es nach wie vor in der Mehrzahl Wissenschaftlerinnen. Ansätze zu einem Umdenken, etwa in Form des Ausbaus der Kinderbetreuungsangebote, sind deutlich erkennbar, jedoch sind grundlegende strukturelle Veränderungen und ein kultureller Wandel notwendig. Wie können Schritte hierzu aussehen?

Statement: Faszination Wissenschaft und Karrierefaktor Kind (Prof. (i. R.) Dr. Sigrid Metz-Göckel, TU Dortmund)
Statement: Was brauchen wir konkret? Erfahrungen aus den Hochschulen in NRW (Silke Koppenhöfer, Universität Köln)
Moderation: Dr. Britt Dahmen, Universität Köln

  • Werkstatt 4: Fachkultur Medizin – Spielregeln kennen und verändern

Die Dreifachaufgabe aus wissenschaftlicher Qualifizierung, fachärztlicher Ausbildung und PatientInnenversorgung macht die Medizin zu einer Disziplin mit spezifischen fachkulturellen Bedingungen und eigenen Selektionsmechanismen, insbesondere in Bezug auf eine medizinisch-klinische Forschungslaufbahn bis zur Professur. Die hierarchisch und traditionell männlich geprägte Fachkultur mit ihren informellen Regeln entfaltet nicht zuletzt auch eine geschlechtsspezifische Wirkung. Wie können diese „Spielregeln“ offengelegt und verändert werden?

Statement: Karriere – Klinik – Wissenschaft: Spielregeln sind wichtig! (Prof. Dr. med. Ulrike Schara, Universitätsklinikum Essen)
Statement: Karriere in der Hochschulmedizin – gibt es messbare Hürden für Frauen? (Dr. Anja Vervoorts, Universität Düsseldorf)
Moderation: Prof. Dr. Katrin Marcus, Universität Bochum

15.15 Uhr Kaffeepause

15.30 Uhr Abschlussplenum und Schlusswort aus dem MIWF NRW

16.15 Uhr Kultureller Ausklang zum Weltfrauentag
mit Julia Meier, Gewinnerin des Bundeswettbewerbs Gesang (Musical/Chanson)