Der neue Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften kommt aus NRW

25.08.15

Das Bild zeigt Professor Hanns Hatt, den Präsidenten der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Professor Hanns Hatt ist im April 2015 zum Präsidenten der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften gewählt worden. (Foto: Akademie der Wissenschaften und der Künste NRW)

Der Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, Professor Hanns Hatt, ist im April zum neuen Präsidenten der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften gewählt worden. Am 1. September tritt der Geruchsforscher und Leiter des Lehrstuhls für Zellphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum sein Amt in Berlin an. Wir haben mit ihm über die neue Aufgabe gesprochen.

Herr Professor Hatt, eine Frage vorab, was macht eigentlich ein Geruchsforscher?

Ich erforsche seit 30 Jahren die Wirkung von Duftstoffen. Gemeinsam mit meinem Team von der Ruhr-Universität Bochum ist es mir z.B. gelungen, den ersten von 350 verschiedenen Duftrezeptoren beim Menschen zu entschlüsseln und auch zu zeigen, dass sie sich nicht nur in der Nase, sondern auf allen Organen befinden. So können Düfte in der Haut zur besseren Wundheilung beitragen oder im Magen-Darm-Trakt die Verdauung steigern. Wir haben auch herausgefunden, dass sich auf Krebszellen übermäßig viele Duftrezeptoren befinden. Wenn es gelingt, diese zu aktivieren, kann das Wachstum der Zellen reduziert werden. Die Wirkung von Düften auf den Menschen wird in unserer Gesellschaft weit unterschätzt.

Und nun zum eigentlichen Thema unseres Gesprächs. Sie stehen künftig an der Spitze von 1900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern; herausragende Vertreterinnen und Vertreter ihrer jeweiligen Disziplin. Sind Sie schon aufgeregt?

Ja! Das ist eine große Herausforderung und ich habe lange überlegt, ob ich diese Aufgabe übernehmen will.

Warum haben Sie sich letztlich dafür entschieden?

Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen möchte ich der Wissenschaft, der Ruhr-Universität Bochum und dem Land NRW etwas zurückgeben. Ich habe nie eine bessere Forschungslandschaft vorgefunden als hier in Bochum und dafür bin ich dankbar. Deshalb engagiere ich mich seit Jahren auch außerhalb meines Forschungsgebiets, etwa im Senat der Universität, als Dekan der Fakultät für Biologie und Biotechnologie und zuletzt als Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Zum anderen bin ich davon überzeugt, dass die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, die weltweit das größte geisteswissenschaftliche Langzeit-Forschungsprogramm betreut, für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes, aber auch für Politik und Öffentlichkeit außerordentlich wichtig ist und ihr Einfluss in Zukunft noch größer sein kann. Es lohnt sich also, sich dafür einzusetzen.

Sie haben sich für Ihr neues Amt also etwas Bestimmtes vorgenommen?

Mein Vorgänger Prof. Dr. Günter Stock hat in den vergangenen Jahren Großartiges geleistet. In früheren Zeiten waren die Akademien der Wissenschaften heftiger Kritik ausgesetzt. Sie galten als Elfenbeinturm, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler abgeschottet von der Öffentlichkeit miteinander diskutieren. Das hat sich grundlegend geändert. Heute ist die Union gesellschaftlich verankert. Ich möchte nun den nächsten Schritt wagen und die einzelnen Akademien stärker zusammenführen. Wenn wir an einem Strang ziehen, unser Fachwissen und unsere Kompetenzen bündeln, können wir noch mehr erreichen. Im Unterschied zu anderen vergleichbaren Institutionen sind in der Union die führenden Köpfe aus allen Bereichen und mit enormer disziplinärer Tiefe versammelt. Unter unseren Mitgliedern sind sowohl Natur- und Ingenieur- als auch Geisteswissenschaftler. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das es zu nutzen gilt.

Wieso ist das so wichtig?

Für die Politik und die Wirtschaft wird die Einbeziehung geistes- und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse immer wichtiger. Nur so lassen sich die großen gesellschaftlichen Herausforderungen lösen. Nehmen wir zum Beispiel die Energiewende. Was helfen uns die modernsten technischen Entwicklungen, wenn wir nichts darüber wissen, ob sich die Bürger teurere Strompreise leisten können? Unsere Forschung muss dem Menschen nützen. Schließlich werden wir, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, von den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes bezahlt. Deshalb müssen wir auch die Öffentlichkeit an unseren Forschungsergebnissen teilhaben lassen und mit unserer wissenschaftlichen Expertise Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft geben. Hier muss die Union der Akademien mit gutem Beispiel vorangehen und dazu möchte ich als neuer Präsident beitragen.