Industrie 4.0: Fehlendes Wissen bremst Digitalisierung der Wirtschaft aus

17.06.15

Unternehmen in NRW sehen in der Digitalisierung eine große Chance für den Standort – tun sich aber schwer mit konkreten Projekten. Oft fehlt es ihnen an Wissen, etwa zu bereits existierenden Anwendungen oder IT-Sicherheit. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Aachen, an der sich rund 50 vor allem kleine und mittlere Unternehmen beteiligt haben. Die Studie ist damit nicht repräsentativ. „Wir glauben aber, dass sie trotzdem ein gutes Stimmungsbild für die Wirtschaft im gesamten Bundesland liefert“, sagte Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen.

Fast drei von vier Befragten gaben in der Umfrage an, dass sie den Standort bereits im Übergang zur so genannten vierten industriellen Revolution sehen. Vorteile habe das vor allem für die Kundinnen und Kunden. Individuelle Produktion, schnelle Lieferung, passgenauer Einsatz von Ressourcen und eine smarte Vernetzung der Produkte mit Service-Apps: All das werde in 15 Jahren Realität sein, glauben die meisten der Unternehmerinnen und Unternehmer.

„Damit die Wirtschaft in NRW ihre Digitalisierung vorantreibt, bräuchten alle eine Zielvorstellung“, betont Bayer. Unternehmen sollten ihre Geschäftsmodelle hinterfragen und optimieren. Dazu können IHK-Mitarbeiter vor Ort sensibilisieren und über neueste Entwicklungen informieren. Best-Practice-Beispiele motivieren insbesondere KMU. Bayer fordert: „ Aufgabe der Politik muss es sein, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen: Der Breitbandausbau hat erste Priorität“.

Den Unternehmen fällt es schwer, sich in der rasant wachsenden Menge an technischem Wissen zurechtzufinden. So haben zwei von drei der Befragten noch nie von Social Machines gehört. Das sind vernetzte Maschinen, die automatisch Wissen untereinander austauschen – und die es bereits gibt. Jeder dritte Befragte kann sich nichts unter Predictive Maintenance vorstellen. Solche IT-basierten Anwendungen sagen technische Mängel vorher, bevor es zum Produktionsausfall kommt. Vorgestellt wurden sie unter anderem auf der Hannover Messe im April 2015.

Auch beim Thema IT-Sicherheit und Datenschutz zeigten sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer unsicher. Zudem geben sie Probleme dabei an, gut ausgebildete technische Fachkräfte zu finden.

„Das sind alles Herausforderungen, die sich in NRW sehr gut lösen lassen“, sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. Das sind alles Herausforderungen, für die es in NRW Lösungen gibt: Eine IT-Forschung, die zur Weltspitze zählt und die dringend benötigten Fachkräfte hervorbringt sowie eine Wirtschaft, die spezialisiert darauf ist, aus Ideen Weltmarktführer zu machen. „NRW kann beim Übergang zur Industrie 4.0 ohne weiteres ein Vorreiter sein. Enge Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind der Schlüssel dafür“, so die Ministerin. 

Die Landesregierung unterstützt diese Vernetzung unter anderem mit dem Förderprogramm HochschulStart-Up.NRW: Fast 70 Millionen Euro stehen in den kommenden fünf Jahren für Patente, Kooperationen und Gründungen von technologie- und wissensbasierten Unternehmen zur Verfügung.